Die Carl Zeiss Stiftung mit den Standorten in Heidenheim an der Brenz und Jena wurde 1889 gegründet und hat etwas erreicht, das nur wenigen Stiftungen gelingt: Sie hat zahlreiche historische Umbrüche unbeschadet überstanden und ihre Grundidee bis heute bewahrt.
Ihr Erfolg zeigt, wie wichtig es ist, bereits bei der Gründung einer Stiftung klare Strukturen zu schaffen und die verschiedenen Ebenen sauber voneinander zu trennen. Nicht nur die Bereiche Familie, Unternehmen und Vermögen müssen differenziert betrachtet werden – auch innerhalb des Unternehmens selbst braucht es ein tiefes Verständnis seiner inneren Logik und Funktionsweise. (Verlinkung zur Infothek)
Dabei geht es weniger um das Festlegen konkreter Abläufe oder detaillierter Prozesse. Entscheidend sind vielmehr klare Entscheidungsbefugnisse, eindeutig formulierte Ziele für Stiftung und Unternehmen sowie ein solides Fundament aus Werten. Denn Werte, im Gegensatz zu Strukturen oder Systemen, besitzen die Kraft, alle Zeiten des Wandels zu überstehen und Orientierung zu geben.
Ernst Abbe: Der geistige Vater der modernen Carl‑Zeiss‑Stiftung
Ernst Abbe (1840–1905) wuchs in einfachen Verhältnissen auf und konnte dank der privaten Unterstützung des Arbeitgebers seines Vaters das Gymnasium besuchen und anschließend das Studium der Mathematik, Physik, Astronomie und Philosophie in Jena und Göttingen aufnehmen. Nach seiner Promotion wurde er Assistent an der Sternwarte Göttingen und habilitierte später. Seine Bekanntschaft und Freundschaft mit Carl Zeiss gab seinem beruflichen Leben eine entscheidende Wende:
Als Mitbegründer der Firma Carl Zeiss entwickelte er grundlegende theoretische Prinzipien der Optik, darunter das Abbe'sche Sinusgesetz und die Abbe'sche Auflösungsgrenze, die bis heute die Mikroskopie prägen. Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen setzte er sich stark für soziale Verbesserungen ein: Er führte bei Zeiss moderne Arbeitsrechte ein, darunter Gewinnbeteiligung, feste Arbeitszeiten und soziale Absicherung. Abbe gilt daher nicht nur als brillanter Wissenschaftler, sondern auch als Pionier sozialer Unternehmensverantwortung. Seine Vorstellungen von Unternehmensverantwortung gingen weit über das hinaus, was im späten 19. Jahrhundert üblich war. Besonders bemerkenswert ist, wie konsequent er wissenschaftliche Rationalität mit sozialem Idealismus verband.
Er sah Unternehmen nicht nur als Orte der Produktion, sondern als soziale Gemeinschaften, in denen Menschen ein würdiges Leben führen sollten. Für ihn war wirtschaftlicher Erfolg untrennbar mit sozialer Fairness verbunden.
Zentrale Elemente seines sozialen Engagements
- Gewinnbeteiligung: Abbe führte ein Modell ein, bei dem die Mitarbeitenden am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beteiligt wurden. Das war revolutionär und schuf ein Gefühl gemeinsamer Verantwortung.
- Arbeitszeitregelungen: Er setzte feste Arbeitszeiten und Pausen durch, zu einer Zeit, in der viele Arbeiter noch 12-Stunden-Tage hatten.
- Soziale Absicherung: Abbe etablierte Kranken- und Invaliditätsunterstützung, lange bevor staatliche Sozialversicherungen selbstverständlich wurden.
- Mitbestimmung: Er förderte die Beteiligung der Belegschaft an Unternehmensentscheidungen und legte Wert auf Transparenz.
- Stiftungsmodell: 1896 überführte er das Unternehmen Carl Zeiss in eine Stiftung. Damit stellte er sicher, dass wirtschaftliche Interessen dauerhaft mit sozialen und wissenschaftlichen Zielen verbunden blieben.
Auch heute noch ist das von ihm erdachte Modell Vorbild: Viele moderne Konzepte wie Corporate Social Responsibility, nachhaltige Unternehmensführung oder Mitarbeiterbeteiligung greifen Ideen auf, die Abbe bereits vor über 120 Jahren formulierte. Er zeigte, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig stärken können.
Die Stiftungsgründung
Abbe erkannte früh, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur möglich war, wenn Eigentumsverhältnisse unabhängig von einzelnen Personen gestaltet wurden. Sein Ziel war es, das Unternehmen dauerhaft zu sichern und gleichzeitig soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden zu verankern. Zunächst wollte er seine Unternehmensanteile der Universität übertragen; da dies rechtlich nicht möglich war, kam er auf die Idee einer Stiftungsgründung.
Ernst Abbe benannte die Stiftung nach seinem 1888 verstorbenen Freund und Geschäftspartner Carl Zeiss. 1891 brachte er seine Unternehmensanteile an Carl Zeiss und den Jenaer Glaswerken Schott & Genossen in die Stiftung ein, ebenso die von Carl Zeiss' Sohn.
Die Stiftung wurde so konzipiert, dass sie:
- die wirtschaftliche Stabilität der Zeiss-Unternehmen langfristig gewährleistet,
- soziale Pflichten gegenüber den Mitarbeitenden erfüllt,
- und wissenschaftliche Forschung, insbesondere an der Universität Jena, fördert.
Damit entstand ein einzigartiges Modell: Die Stiftung wurde zur alleinigen Eigentümerin zweier bedeutender Technologieunternehmen, ein bis heute ungewöhnlicher Schritt in der deutschen Unternehmenslandschaft.
Die Carl Zeiss Stiftung im Wandel der Zeiten
Die Carl Zeiss Stiftung blickt auf eine bewegte und eindrucksvolle Geschichte zurück. Ihre Gründung fällt in die Zeit des Deutschen Kaiserreichs, eine Epoche, die 1888 nach dem turbulenten Dreikaiserjahr politisch noch immer von Unruhe geprägt war. Zugleich befand sich Deutschland mitten in der Hochphase der Industrialisierung, auch wenn man sich vergegenwärtigen muss, wie anders die Lebenswelt damals aussah:
Als Transportmittel standen überwiegend Pferdefuhrwerke, die Eisenbahn und Dampfschiffe zur Verfügung. Elektrische Geräte waren kaum verbreitet, die meisten Städte wurden noch mit Gas beleuchtet. Auch die Kommunikation verlief völlig anders als heute, Briefe waren das wichtigste Mittel des Austauschs, das Telefon eine seltene Ausnahme, und lediglich die Telegrafie bot eine schnellere Verbindung über weite Distanzen.
Die erste große Zäsur stellte der Erste Weltkrieg dar. Er wirkte als Katalysator für technologische Weiterentwicklungen: Unternehmen und Forschungsstätten stellten ihre Produktion sehr schnell auf militärische Anforderungen und technologischen Fortschritt um. So wurde auch bei Carl Zeiss die zivile Produktion weitgehend eingestellt und auf militärische Optik umgestellt, etwa optische Geräte für Militär und Artillerie, Zielfernrohre und Entfernungsmesser. Die Stiftung musste ihre Rolle als Eigentümerin in einem Umfeld wahrnehmen, in dem staatliche Anforderungen und militärische Prioritäten dominierten.
Da viele Facharbeiter eingezogen wurden und Materialknappheit herrschte, konnten die sozialen Standards des Unternehmens nur eingeschränkt aufrechterhalten werden. Die wirtschaftliche Lage war kriegsbedingt schwer kalkulierbar: Das Unternehmen war von staatlichen Rüstungsaufträgen abhängig und von Rohstoffknappheit sowie Inflation betroffen. Die Stiftung stand damit vor der doppelten Herausforderung, die Unternehmen stabil zu halten und zugleich ihre Rolle als gemeinwohlorientierte Institution mit den Anforderungen eines Rüstungsbetriebs in Einklang zu bringen.
Nach 1918 wurde die Stiftung durch Reparationsforderungen, die Wirtschaftskrise und politische Instabilität geschwächt, aber sie überstand diese Phase.
„Wirtschaftliche Verantwortung in unsicheren Zeiten: Die Stiftung in der Weimarer Ära“
Der Erste Weltkrieg hatte die Zeiss-Unternehmen stark beansprucht. Die zivile Produktion war weitgehend zum Erliegen gekommen, und die Stiftung musste nach Kriegsende den Übergang zurück in eine Friedenswirtschaft organisieren. Gleichzeitig verlor Deutschland wichtige Exportmärkte, und Reparationsforderungen belasteten die Industrie.
Für die Stiftung bedeutete das: Wiederaufbau der zivilen Produktion, Stabilisierung der Belegschaft, Neuorientierung auf internationalen Märkten.
Die Hyperinflation traf die Stiftung und ihre Unternehmen hart. Löhne, Rücklagen und Investitionspläne verloren rasant an Wert. Die Stiftung war jedoch durch ihre besondere Eigentümerstruktur, ohne private Anteilseigner, gezwungen, langfristig zu denken und die Unternehmen trotz der Krise handlungsfähig zu halten. Wichtige Maßnahmen in dieser Phase waren der Erhalt der Arbeitsplätze, die Anpassung der Löhne an die Inflation und die Konzentration auf exportfähige Produkte.
Die Abbe'schen Sozialstandards konnten nicht vollständig aufrechterhalten werden, blieben aber ein Leitbild.
Mit der Stabilisierung der Währung und der wirtschaftlichen Erholung erlebten die Zeiss-Unternehmen eine Phase des Wachstums. Technische Innovationen, insbesondere in Optik, Mikroskopie und Glasherstellung, stärkten die internationale Stellung. Die Stiftung erfüllte wieder stärker ihren Doppelauftrag: wirtschaftliche Stabilität und Förderung der Wissenschaft. Sie konnte wissenschaftliche Förderprogramme wieder aufnehmen, Forschungspartnerschaften ausbauen und die Unternehmensstrukturen modernisieren.
Doch die Weltwirtschaftskrise von 1929 traf auch die Zeiss-Unternehmen: Die Nachfrage nach optischen Geräten sank, die internationalen Märkte brachen ein, und die Arbeitslosigkeit stieg. Die Stiftung reagierte, indem sie Kurzarbeit statt Massenentlassungen einführte und die Kernkompetenzen in Forschung und Entwicklung erhielt. Durch ihre besondere Eigentümerstruktur ohne Aktionäre, die Dividenden forderten, konnte die Krise abgefedert werden.
Die Weimarer Republik war politisch instabil, und die Stiftung musste sich in einem zunehmend polarisierten Umfeld behaupten. Trotz der politischen Spannungen blieb sie ihrer wissenschaftlichen und sozialen Ausrichtung verpflichtet.
Die Stiftung war in dieser Zeit ein Beispiel dafür, wie ein Unternehmen mit gemeinwohlorientierter Eigentumsstruktur Krisen überstehen kann.
Zwischen Anpassung und Kontrolle: Die Carl Zeiss Stiftung 1933–1945
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 geriet auch die Carl Zeiss Stiftung in Jena in den politischen und wirtschaftlichen Umbau des Deutschen Reiches. Obwohl das Stiftungsmodell ursprünglich von Ernst Abbe geschaffen worden war, um Unabhängigkeit, soziale Verantwortung und wissenschaftliche Förderung zu gewährleisten, kam es in der NS-Zeit zu erheblichen Eingriffen in diese Grundprinzipien.
Nach 1933 versuchte das NS-Regime, Kontrolle über die Stiftung auszuüben und ihre Unternehmensführung politischen Zielen anzupassen. Dies führte zu Konflikten zwischen der Geschäftsleitung und dem von der NSDAP eingesetzten Stiftungskommissar Dietz. 1934 gelang es der Leitung, unter anderem durch den Einsatz von August Kotthaus und seinen Kollegen, Dietz abzusetzen und durch Esau zu ersetzen, der als weniger radikal galt.
Trotz anfänglichem Widerstand musste sich die Stiftung in den folgenden Jahren zunehmend mit den politischen Erwartungen arrangieren. Besonders beim Tochterunternehmen Schott, das vollständig zur Stiftung gehörte, wurde das Stiftungsstatut im Sinne der NS-Politik verändert, obwohl diese Änderungen im Widerspruch zu Abbes sozialem und wissenschaftlichem Leitbild standen. Die Carl Zeiss Stiftung konnte während der NS-Zeit keines ihrer originären Förderziele, nämlich Wissenschaft, Soziales, Unternehmensethik, frei verfolgen. Stattdessen war sie politischer Kontrolle, wirtschaftlicher Instrumentalisierung und tiefgreifenden Eingriffen in ihre Grundordnung ausgesetzt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Carl Zeiss Jena zu einem kriegswichtigen Betrieb. Die Stiftung war eng in die militärisch-technische Produktion eingebunden.
Gegen Kriegsende 1945 wurden Teile der Zeiss-Betriebe in Jena schwer beschädigt. Die zunehmende militärische Bedeutung der optischen Industrie machte die Werke zum Ziel alliierter Luftangriffe. Die Stiftung stand damit am Ende des Krieges vor einem tiefgreifenden Einschnitt, der später zur Spaltung der Werke in Ost- und Westdeutschland führen sollte.
Neubeginn, Teilung und Wandel: Die Carl Zeiss Stiftung 1945–1990
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Carl Zeiss Stiftung geprägt von politischen Umbrüchen, wirtschaftlicher Neuordnung und der jahrzehntelangen deutschen Teilung. Die Ereignisse dieser Jahre führten dazu, dass sich aus einem ursprünglich einheitlichen Stiftungs- und Unternehmensverbund zwei getrennte Zeiss-Organisationen entwickelten, eine in Ost- und eine in Westdeutschland.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet das Zeiss-Werk in Jena zunächst unter amerikanische Kontrolle. Anschließend wurde es, im Rahmen der Besatzungszonen, der sowjetischen Militärverwaltung übergeben. Dies legte den Grundstein für die spätere dauerhafte Teilung des Unternehmens in einen westdeutschen und einen ostdeutschen Zweig.
Gleichzeitig begannen die Amerikaner, Mitarbeiter, Dokumentationen, Maschinen und wichtige Fachkräfte nach Westen zu bringen, was wenige Jahre später zum Aufbau des Zeiss-Standorts in Oberkochen beitrug.
Mit der Gründung der Bundesrepublik und der DDR wurde auch die Carl Zeiss Stiftung faktisch zweigeteilt. Im Osten entstand der VEB Carl Zeiss JENA, ein volkseigener Betrieb, der zunehmend in das sozialistische Wirtschaftssystem integriert wurde. Die Stiftung selbst bestand in der DDR formal nicht fort, doch das Werk in Jena entwickelte sich zum führenden Optik- und Hightech-Kombinat der DDR.
Im Westen formierte sich die ZEISS Opton GmbH in Oberkochen, die später zur westdeutschen Zeiss-Organisation wurde. Die Carl Zeiss Stiftung (mit Sitz in Heidenheim) blieb dort rechtlich intakt und arbeitete an der Wiederherstellung einer stabilen Unternehmensstruktur.
In Jena erlebte das Zeiss-Werk trotz politischer Vorgaben eine Phase intensiver wissenschaftlicher und technologischer Aktivitäten. Es entstanden neue Forschungszentren, und das Geräteprogramm wurde weiterentwickelt.
Auch im Westen investierte die Stiftung in Forschung und Entwicklung, förderte Hochschulen und wissenschaftliche Institute und stärkte damit sowohl die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch die eigene Produktentwicklung.
Ein zentrales Thema dieser Dekaden war der komplexe und international geführte Namens- und Markenschutzstreit zwischen dem Zeiss-Werk in Jena (DDR) und der Stiftung bzw. Zeiss in Oberkochen (BRD). Die Auseinandersetzungen erstreckten sich über Jahre und betrafen Markenrechte, internationale Handelsbeziehungen und Firmenidentität.
In den 1980er Jahren blieb das ostdeutsche Zeiss-Werk ein bedeutender Industriekonzern der DDR, war aber zunehmend durch wirtschaftliche Probleme belastet.
Die Stiftung in Westdeutschland verfolgte weiterhin Abbes Grundidee: die Förderung von Forschung und Wissenschaft sowie die Sicherung der Unternehmensgruppe.
Kurz vor 1990 bereitete die politische Entwicklung in der DDR indirekt die Voraussetzungen für eine spätere Zusammenführung der beiden Unternehmenszweige. Die Stiftung spielte dabei nach der Wende eine entscheidende Rolle, indem sie wieder als gemeinsamer rechtlicher Rahmen diente.
Transformation und Zukunftssicherung: Die Carl Zeiss Stiftung seit 1990
Nach dem Ende der deutschen Teilung begann für die Carl Zeiss Stiftung eine neue Ära, geprägt von der Wiedervereinigung der Unternehmensstrukturen, der Neuordnung des Stiftungsmodells und einer stetigen Ausweitung wissenschaftlicher Förderprogramme. Die Stiftung entwickelte sich zu einer der bedeutendsten privaten Wissenschaftsförderinnen in Deutschland und begleitet heute die globalen Entwicklungen ihrer beiden Stiftungsunternehmen Carl Zeiss und Schott.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die zuvor getrennten Zeiss-Organisationen aus Jena (DDR) und Oberkochen (BRD) wieder in eine gemeinsame Struktur überführt. Die ZEISS-Unternehmensgeschichte beschreibt diesen Prozess als Phase „tiefer Krise", nach der sich das neu formierte Unternehmen jedoch stabilisierte und gestärkt hervorging.
In der Stiftung selbst blieb die Grundordnung aus Abbes Stiftungsstatut bestehen: Die Stiftung ist bis heute Eigentümerin sowohl der Carl Zeiss AG als auch der SCHOTT AG. Damit blieb auch nach 1990 das Modell der unternehmensverbundenen Stiftung erhalten.
Zu Beginn der 2000er Jahre führte die Stiftung Debatten über eine Modernisierung des Stiftungsstatuts. Zeitgenössische Berichte beschreiben eine jahrelange Suche nach Konsens zwischen Stiftung, Unternehmen, Arbeitnehmervertretern und Politik, um die Unternehmensstrukturen an moderne Marktbedingungen anzupassen.
Gleichzeitig professionalisierte die Stiftung ihre Förderprogramme und baute die wissenschaftliche Unterstützung systematisch aus.
2004 wurde das Stiftungsstatut grundlegend erneuert. Die der Stiftung zugehörigen Unternehmen wurden in Aktiengesellschaften überführt. Ein Verkauf von Anteilen sowie ein Börsengang bleiben durch das Statut dauerhaft ausgeschlossen. Die Aktien sind bis heute nicht börsennotiert.
In den 2010er Jahren wuchs die Stiftung zu einer der größten privaten Wissenschaftsförderinnen in Deutschland. Ihre Mittel stammen aus den Dividendenausschüttungen von ZEISS und SCHOTT, die weltweit expandierten und technisch führend wurden.
Die Stiftung konzentriert sich heute auf Forschung und Lehre in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Gefördert werden Hochschulen und Forschungsprojekte insbesondere in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen.
Die Stiftung verfügt über ein erhebliches Stiftungsvermögen und stabile Einnahmen. Ihre Arbeit bleibt klar ausgerichtet auf:
- Sicherung der Zukunft von ZEISS und SCHOTT,
- Förderung von Grundlagen- und Anwendungsforschung,
- Stärkung der regionalen Wissenschaftslandschaft,
- langfristige wissenschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung.
Die Stiftung darf ihre Anteile an ZEISS und SCHOTT laut Statut nicht verkaufen, wodurch das einzigartige Unternehmensmodell dauerhaft gesichert wird. Dieses Modell verbindet technologische Innovation, wirtschaftliche Stabilität und Stiftungszwecke bis heute.
Für Menschen gegründet. Für Generationen gewachsen.
Die Stiftung wurde von Ernst Abbe 1889 gegründet, um die Unternehmen Carl Zeiss und Schott dauerhaft zu sichern, die Mitarbeitenden sozial abzusichern und wissenschaftliche Forschung, vor allem in Jena, zu fördern. Soziales Engagement, faire Arbeitsbedingungen und eine klare Verbindung zwischen Wissenschaft und Industrie standen im Mittelpunkt.
Der Kernauftrag hat sich bis heute erhalten, wurde aber erweitert: Die Stiftung zählt heute zu den größten wissenschaftsfördernden Stiftungen Deutschlands und konzentriert sich auf die Förderung von Forschung und Lehre in den MINT-Fächern. Sie arbeitet bundesländerübergreifend (BW, RLP, TH) und unterstützt große strukturprägende Projekte.
Die Förderung der Stiftung war ursprünglich vor allem auf Jena und die dortige Universität sowie lokale wissenschaftliche Einrichtungen ausgerichtet. Auch heute ist sie ein zentraler Motor der deutschen Wissenschaftsförderung im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.
Die Stiftung war ein sozialpolitischer Vorreiter und prägte damit die deutsche Industriekultur. Heute ist ihre Rolle eher wissenschaftspolitisch: Sie wirkt über Forschung und Innovation in die Gesellschaft und unterstützt Themen wie Digitalisierung, KI und nachhaltige Technologien.
