Vererben Sie Anteile, oder eine Rolle?

Vererben mit der Familienstiftung

Über Unternehmerfamilien wird ein Satz weitergereicht, als wäre er ein Naturgesetz: Erwerben, vererben, verderben. Die erste Generation baut auf, die zweite verwaltet, die dritte verliert. Der Satz klingt nach Schicksal. Er ist keines. Er ist ein altes Sprichwort, kein zwingender Befund für Sie. Wo unternehmerische Lebenswerke über Generationen bestehen, ist das keine glückliche Ausnahme, sondern das Ergebnis von aktiver Gestaltung. Der Generationenübergang entscheidet sich nicht am Zufall, sondern an einer Frage, die früh beantwortet werden will: Wächst die nächste Generation in eine Rolle hinein, oder erhält sie nur Vermögen?

 

Vermögen lässt sich übertragen. Verantwortung muss gebildet werden. In vielen Familien wird ausführlich über die formale Übergabe gesprochen: wer Anteile erhält, welche steuerlichen Folgen entstehen, welche Pflichtteile zu bedenken sind, welche Struktur das Unternehmen schützt. Diese Fragen sind notwendig. Sie beantworten jedoch nicht, ob die nächste Generation Eigentum auch verantworten kann. Eine rechtliche Position ist schneller übertragen, als ein Verständnis für sie wächst.


Eigentümerrolle mit der Familienstiftung klären

Die eine Unterscheidung

Es gibt eine Unterscheidung, die hier alles ordnet: Familienzugehörigkeit oder Eigentümerrolle? 

 

Zur Familie gehört man ohne Bedingung. Niemand muss sich Zugehörigkeit verdienen, und das soll auch so bleiben. 

Die Eigentümerrolle dagegen verlangt etwas: Bereitschaft, Wissen, Verlässlichkeit, ein Verständnis von Risiko und von den Grenzen der eigenen Einflussnahme.

Beides zu trennen, ist heikel und zugleich entlastend. Es schützt die Familie, weil Zugehörigkeit nie zur Disposition steht. Und es schützt das Unternehmen, weil Eigentum nicht mit operativer Macht verwechselt wird. Kurz gefasst: Zur Familie gehört man, in die Eigentümerrolle wächst man hinein.

 

Wo diese Unterscheidung fehlt, entstehen wiederkehrende Verschiebungen. Beteiligung wird als Anspruch erlebt, ohne dass Verantwortung mitschwingt. Ausschüttung wird zum Maßstab für Gerechtigkeit. Operative Führung wird kommentiert, ohne die Last der Entscheidung zu kennen. Umgekehrt ziehen sich fähige Mitglieder der nächsten Generation zurück, weil Eigentum ihnen vor allem als konfliktbeladene Zumutung erscheint. Beide Bewegungen schwächen die Fortführung.


Wie eine Rolle gebildet wird

Manche Familien haben daraus eine Disziplin gemacht. Im Verbund der Familie Mulliez, der hinter Unternehmen wie Auchan und Decathlon steht, erbt niemand allein durch Geburt einen Platz an der Eigentümerebene. Wer mitwirken will, kann sich frühestens mit einundzwanzig Jahren bewerben und durchläuft ein einjähriges Programm: Bilanzen lesen, rechtliche Grundlagen verstehen, das eigene unternehmerische Urteil schulen. Zugehörigkeit ist gegeben, die Rolle wird erarbeitet. Der Gedanke dahinter lässt sich auf jede Familie übertragen, unabhängig von ihrer Größe: Eigentümerbildung beginnt früher als jede Nachfolgestruktur, und sie beginnt mit Sprache. Was bedeutet Eigentum in dieser Familie? Welche Verantwortung verbindet sich damit? Welche Entscheidungen gehören auf die Eigentümerebene, welche bleiben im Unternehmen?

 

Eine Rolle entsteht durch Erfahrung, nicht durch einen Termin beim Notar. Wer Verantwortung übernehmen soll, braucht Gelegenheit, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu verstehen und die Folgen von Entscheidungen zu sehen. Das bedeutet nicht, die nächste Generation früh in alles einzubeziehen. Es bedeutet, einen geordneten Zugang zu schaffen: Information zur rechten Zeit, in der richtigen Form, mit Erklärung. Sonst wirkt sie als Belastung oder als Einladung zur vorzeitigen Mitsteuerung.

 

Eine Stiftung kann diesen Weg begleiten. Sie kann Beteiligung und Einfluss entkoppeln und Räume schaffen, in denen die nächste Generation an Berichtswesen, Gremienarbeit und Grundsatzentscheidungen herangeführt wird, ohne dass jedes Familienmitglied sofort Gesellschaftermacht ausübt. Ihre Wirkung hängt jedoch an einer Bedingung: Sie darf kein Abstellraum für Verantwortung sein. Wer die Ordnung vollständig an Organe und Berater auslagert, erhält eine Struktur, die niemand innerlich ausfüllt. Eine Stiftung wirkt erst dann im Sinne souveräner Kontinuität, wenn sie Verantwortung formt und die Familie befähigt, ihren Auftrag zu verstehen.


Was daraus folgt

Für die aktive Generation liegt darin eine anspruchsvolle Aufgabe. Sie muss nicht nur übertragen, sondern erklären. Nicht nur schützen, sondern zumuten. Nicht nur sichern, sondern Räume öffnen, in denen die nächste Generation ein eigenes Urteil entwickelt. Diese Zumutung gehört zur Fortführung des unternehmerischen Lebenswerks. Ohne sie bleibt Nachfolge ein Rechtsakt mit ungeklärter innerer Wirkung. Mit ihr entsteht etwas, das die Familie Haniel mit einem eigenen Wort beschreibt: Enkelfähigkeit. Gemeint ist die Fähigkeit, heute so zu gestalten, dass die übernächste Generation tragen kann, was ihr übergeben wird. Souveräne Kontinuität entsteht, wenn Zweck, Rolle und Verantwortung so klar sind, dass eine neue Generation ihren eigenen Beitrag leisten kann, ohne die Grundordnung jedes Mal neu zu verhandeln. Dann wird Vermögen nicht nur weitergegeben. Es wird tragfähig.

 

Wie sich ein solcher Übergang gestalten lässt, vertiefe ich am 16. Juli um 18 Uhr in einem Live-Webinar für Inhaber. Es führt von der Eigentümerfrage zur Architektur, an Best-Practice-Beispielen großer Familienunternehmen, mit Raum für Ihre eigenen Fragen.