Einsatz der Doppelstiftung: Erfolgreicher Unternehmer als Vorbild

VON THORSTEN KLINKNER

 

Der bekannte Unternehmer Karl Schlecht (Putzmeister) hat das Modell der Doppelstiftung sehr professionell etabliert. Die Karl Schlecht Stiftung als gemeinnützige Stiftung unterstützt Projekte und Institutionen in den fünf Förderbereichen Leadership, Ethik, Bildung, Kultur und Technik, während die Karl Schlecht Familienstiftung vor allem als Holding einiger Privatunternehmen fungiert.


Putzmeister ist eine typische Erfolgsgeschichte der deutschen Industrie. Das Unternehmen mit Sitz in Aichtal in Baden-Württemberg ist ein Hersteller von Betonpumpen, Fahrmischerbetonpumpen, Mörtelmaschinen, Industriepumpen, mobile Förderbänder (Telebelt), Tunnelspritzmaschinen und Betonmischanlagen. Diese Maschinen werden zur Förderung, Verteilung, Aufbereitung, Zwischenlagerung und Verarbeitung von Beton, Mörtel und Dickstoffen eingesetzt.

Gegründet wurde Putzmeister ursprünglich 1958 von Karl Schlecht als KS-Maschinenbau zur Herstellung von Verputzmaschinen. Der Sohn eines Gipsermeisters studierte zu der Zeit noch an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1963 benannte er das Unternehmen in Putzmeister Werk Maschinenfabrik um. Seine erste für Vaters Geschäft gebaute Maschine wurde zum Gegenstand seiner Diplomarbeit. 

Dann ging es schnell: Mit dem Gipsomat brachte Putzmeister 1965 die erste automatische Gips-Verputzmaschine der Welt auf den Markt. Neuartige Pumpen für Transportbeton verhalfen dem Unternehmen 1969 zu 45 Prozent Marktanteil. Mit der Inbetriebnahme des heutigen Firmengeländes in Aichtal begann 1971 der Bau von Autobetonpumpen mit Verteilermasten. Zu Beginn der 1970erJahre wurden Tochtergesellschaften in Frankreich, Italien, Spanien, England und Brasilien gegründet. Durch die Übernahme der Firma Thomsen, dem früheren Weltmarktführer bei Autobetonpumpen, ist Putzmeister seit 1982 auch in den USA mit eigener Herstellung aktiv. Es folgten weitere Niederlassungen in Japan, China, Dänemark, Russland, Korea, Thailand, der Türkei, Indien und in Südafrika. Bis 2005 war das Unternehmen nach Umsatz und Mitarbeiterzahl das weltweit größte seiner Branche. 2012 hat der chinesische Baumaschinenhersteller Sany Putzmeister übernommen und bildete dadurch einen neuen Weltmarktführer für Betonpumpen. Aichtal wurde der Hauptstandort für Sanys Betongeschäft außerhalb Chinas (Quelle: wikipedia.de). 

Spannend ist auch der persönliche Werdegang des Unternehmers Karl Schlecht. Er hatte sich 1998 aus dem operativen Geschäft von Putzmeister zurückgezogen und den Vorsitz im Aufsichtsrat seines Unternehmens übernommen. Im Oktober 1998 gründete er dann die Karl Schlecht Stiftung (KSG) als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Aichtal bei Stuttgart, auf die er 99 Prozent der Unternehmensanteile übertrug. Zugleich wurde die Karl Schlecht Familienstiftung (KSF) gegründet, auf die ein Prozent übertragen wurde. Sie verfügte dabei über 90 Prozent der Stimmrechte.

Aus dieser Konstellation heraus verkaufte Karl Schlecht 2012 dann die Anteile an den chinesischen Erwerber, aber die Stiftungskonzeption wurde dennoch beibehalten. Seitdem die KSG und KSF alle Anteile an der Putzmeister-Holding an Sany Heavy Industry verkauft hatten, hat sich die Familienstiftung zur Holding einiger Privatunternehmen (Karl Schlecht Corporations) entwickelt. Damit hat Karl Schlecht, der sich auch heute noch in beiden Stiftungen als Vorstandsmitglied engagiert, das Beteiligungsmanagement über das Gestaltungsprinzip einer Familienstiftung professionalisiert und kann für den deutschen Mittelstand als fundiertes Beispiel dienen.

Die Leitidee der gemeinnützigen Stiftung ist die Verbesserung von Führung in Business und Gesellschaft durch humanistische Werte. Vor diesem Hintergrund fördert sie die ganzheitliche, werteorientierte Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen und angehenden Führungskräften. Dazu unterstützt sie wirkungsorientierte Projekte und Institutionen in den fünf Förderbereichen Leadership, Ethik, Bildung, Kultur und Technik, wie es auf der Website heißt.

Damit hat Karl Schlecht das Instrument der Doppelstiftung sehr sinnvoll und zielführend umgesetzt. Die Doppelstiftung wird aus einer Familienstiftung und einer gemeinnützigen Stiftung kombiniert. Die Familienstiftung sichert dabei insbesondere die Fortgeltung des Stifterwillens innerhalb des Unternehmens und vertritt die vermögensmäßigen Interessen der Familie; die gemeinnützige Stiftung dient der steuergünstigen Vermögensübertragung in der Generationenfolge sowie dem sozialen und/oder gesellschaftlichen Engagements der Stifterfamilie. Die Kombination der beiden Stiftungen wird häufig hergestellt, indem die gemeinnützige Stiftung mehrheitlich an dem Familienunternehmen beteiligt wird, die Familienstiftung das unternehmerische Management führt (Stimmrechte) und langfristig die Aufsichtsfunktion übernimmt, wie es Karl Schlecht vorgemacht hat. 

Hintergrund: Beim Modell der Doppelstiftung wird das Unternehmen teilweise auf eine Familienstiftung und teilweise auf eine gemeinnützige Stiftung übertragen; beide fungieren als Beteiligungsträgerstiftungen. Die gemeinnützige Stiftung hält in dieser Konstellation den größeren Anteil am Unternehmen, die Familienstiftung kontrolliert nur so viele Anteile, wie unmittelbar benötigt werden, um die satzungsgemäßen Zwecke der Familienstiftung zu erfüllen. Dies wird klassischerweise auf die finanzielle Versorgung der Familie hinauslaufen, wobei dies bei der Karl Schlecht Familienstiftung laut eigener Aussage aktuell keine Rolle spielt. Die gemeinnützige Stiftung erhält Geld aus dem Unternehmen, das diese dann wiederum für die Erreichung der satzungsgemäßen Ziele verwendet. Diese gemeinnützigen Ziele definiert der Stifter-Unternehmer in der Satzung. Er kann sich so gesellschaftlich und sozial betätigen und entscheidet selbst in eigener Verantwortung, auf welche Weise er sein Vermögen sinnvoll einsetzt.

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