Unternehmerische Kontinuität, gemeinnütziger Ansatz: Stiftung sichert Playmobil

VON THORSTEN KLINKNER

 

Der legendäre Playmobil-Chef Horst Brandstätter hat sein Unternehmer Brandstätter Gruppe und sein Vermögen auf die Brandstätter Unternehmensstiftung und eine Familienstiftung übertragen. Die Brandstätter Unternehmensstiftung führt die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG und sichert die Kontinuität im Management, die Horst Brandstätter wichtig gewesen ist.


Es gibt kaum jemanden, der die 7,5 Zentimeter kleinen Figuren aus Franken nicht kennt: Playmobil ist seit Jahrzehnten in vielen Kinderzimmern rund um den Globus zuhause. Pro Jahr werden 100 Millionen Figuren hergestellt. Inhaber der Marke Playmobil und Hersteller der Figuren ist die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG (Brandstätter Gruppe) mit Sitz im fränkischen Zirndorf bei Nürnberg. Seit 1974 wurden bereits über drei Milliarden Playmobil-Figuren gefertigt. Die rund 40 Spielthemen werden in rund 100 Ländern weltweit vertrieben. Die Brandstätter Gruppe mit Produktionsstätten in Deutschland, Malta, Spanien und Tschechien erreichte 2017 einen Gesamtumsatz von 741 Millionen Euro und beschäftigt weltweit mehr als 4400 Mitarbeiter.

Geobra Brandstätter wurde 1876 von Andreas Brandstätter gegründet, seit 1952 war Horst Brandstätter, der spätere Alleininhaber, im Unternehmen tätig. Heute wird das Unternehmen von Steffen Höpfner (Vorstandsvorsitzender), Roger Balser, Robert Benker, René Feser und Lars Wagner geführt. Prägend für die Entwicklung indes war der langjährige Eigentümer Horst Brandstätter. Bis zu seinem Tod 2015 leitete er das Unternehmen – und war für die Errichtung der geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG verantwortlich. Die Stiftung ist Nachfolgerin von Horst Brandstätter und kontrolliert das Management, damit die unternehmerischen Vorstellungen des langjährigen Inhabers fortgeführt werden. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Brandstätter Unternehmensstiftung. 

Den Hintergrund dazu liefert ein Artikel in der „WirtschaftsWoche“ (https://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/playmobil-das-vermeintliche-fuehrungsproblem/13678996-3.html): „Auf die Frage, ob sein jüngerer Sohn, der jahrelang im Konzern tätig war, die Führung übernehmen werde, antwortete Brandstätter: ‚Interesse hat er. Aber er ist eigenwillig und würde einiges ändern, was ich im Management mit Mühe etabliert habe.‘ Deswegen hatte er seine Firma in eine Stiftung eingebracht, die ihm als Eigentümer nachfolgen sollte. Anstelle des Alleineigentümers traten nach seinem Tod drei gleichberechtigte Vorstände, die wiederum von der Geobra Brandstätter Stiftung & Co.KG kontrolliert werden.“

In der Rechtsform der Stiftung & Co. KG fungiert die Stiftung als persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) einer Personengesellschaft; eine Rolle, die in konventionellen Strukturen sehr häufig eine GmbH einnimmt. Die Stiftung & Co. KG wird in das Handelsregister eingetragen und ist Kaufmann nach dem Handelsgesetzbuch. Es gibt drei grundsätzliche Möglichkeiten, diese Rechtsform zu begründen: Erstens ist es möglich, ein Einzelunternehmen in ein solches Stiftungskonstrukt einzubringen; zweitens kann die Stiftung als Komplementärin in eine bereits bestehende Personengesellschaft eintreten; und drittens kann eine GmbH schrittweise in eine Stiftung & Co. KG umgewandelt werden.

Im Mittelpunkt steht die Kombination der Eigenschaften der privatrechtlichen Stiftung mit denen der haftungsbeschränkten Kommanditgesellschaft, die Haftungsrisiken für die hinter der Gesellschaft stehenden Personen ausschließt oder begrenzt. Die Stiftung als Komplementärin ist eine privatnützige Stiftung und somit rechtlich verselbstständigte Vermögensmasse, deren Vermögen zur Förderung eines vom Stifter bestimmten Zwecks dient. Sie schirmt die Risiken des Unternehmens vollständig von der Unternehmerfamilie ab, und anders als bei der GmbH & Co. KG ist die gesellschaftsrechtliche Verbindung zur Familie gelöst. Die unterschiedlichen Logiken von Familie und Unternehmen können auf diese Weise getrennt betrachtet und sachgerecht geregelt werden. Operativ kann das Unternehmen die gesamte betriebswirtschaftliche Klaviatur spielen. Zum Beispiel kann die Stiftung & Co. KG weitere Kommanditisten aufnehmen, was die Kapitalzufuhr und damit Finanzierung erleichtern kann.

Neben der unternehmerischen Kontinuität war Horst Brandstätter auch der gemeinnützige Charakter wichtig. Die Stiftung Kinderförderung von Playmobil ist eine der großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. Der Vorstand besteht aus Bernhard Hane und Dr. Wolfram Heger, die die vom Stifter festgelegten Zwecke verfolgen. Bei der Stiftung selbst heißt es: „Mit der Arbeit der Stiftung Kinderförderung von Playmobil folgen wir seit ihrer Gründung dem Vermächtnis Horst Brandstätters und setzen sein soziales und gesellschaftliches Engagement für Kinder und Jugendliche in zeitgemäßer Form fort.“

Ziel der gesellschaftlich orientierten Stiftungsarbeit ist es, Kindern und Jugendlichen eine gesunde körperliche, geistige und seelische Entwicklung zu ermöglichen. Die Stiftung engagiert sich daher gemeinnützig in den Feldern Bildung, Aktivität und Kreativität und Kultur – jeweils für Kinder und Jugendliche. In ihrer gemeinnützigen Arbeit greift die Stiftung gesellschaftliche Themen für das Kinderwohl frühzeitig auf und erarbeitet exemplarische Lösungen. Dazu fördert sie bestehende wie neue Initiativen Dritter, die zu ihren Zielen passen, entwickelt eigene Projekte und führt sie durch.

Ebenso existiert eine Familienstiftung, die ebenfalls als Erbin des Vermögens von Horst Brandstätter eingesetzt worden ist. Immerhin bezifferte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Brandstätters Vermögen auf ca. 1,3 Milliarden US-Dollar. Damit hat der legendäre Playmobil-Chef auch die weitere Form der Stiftung für sich genutzt, um damit die Familie abzusichern.

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